Nackenschmerzen und Probleme an der Halswirbelsäule gehören in den westlichen Ländern zu den häufigsten Gründen für Arbeitsausfälle.
Im Großen und Ganzen lassen sich Nackenschmerzen vier Gruppen zuordnen: mechanisch und nicht mechanisch ausgelöste Nackenschmerzen, Übertragungs-Schmerzen sowie psychisch bedingte Schmerzen am Nacken und Rücken.
1. Mechanisch bedingte Schmerzen und Steifigkeit im Nacken: In diese Gruppe gehören die mit Abstand häufigsten Schmerzbilder mit Bezug zum Bewegungssystem am Hals. Sie beruhen meist auf Verspannungen und Funktionsstörungen der Nackenmuskeln. Die medizinische Sprachregelung ist verwirrend: So spricht der Arzt hier von myofaszialen oder funktionellen, unkomplizierten, unspezifischen Beschwerden. Zusammen mit verschleißbedingten Schmerzbildern, die ebenfalls zu den mechanischen Schmerzen gehören, ergibt sich so die „Volkskrankheit Nackenschmerzen“. Der Verschleiß betrifft weiche Strukturen der Wirbelsäule wie Bandscheiben oder Bänder und harte knöcherne wie die Wirbel. Mechanisch ausgelöste Schmerzen kommen allerdings auch bei Verletzungen wie dem Schleudertrauma oder Fehlbildungen der Halswirbelsäule vor.
Im weitesten Sinn lassen sich noch die Nackensteifigkeit bei einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder manchen Hirntumoren in die Rubrik „mechanisch“ einordnen. Die Steifigkeit entsteht durch reflexartige Anspannung der Nackenmuskeln. Sie ist jedoch eine zwanghafte „Schonhaltung“ infolge der Schmerzen, die von der empfindlichen Hirnhaut ausgehen. Auch bei einem Abszess im hinteren Rachenraum (Retropharyngealabszess, vgl. Schwellung am Hals, Kapitel „Abszesse“) kann es als Schmerzreflex zu einem steifen Hals kommen. Fortgeschrittener Schilddrüsenkrebs kann dazu führen, dass nicht nur der erkrankte Bereich der Schilddrüse selbst vergrößert ist, sondern auch Lymphknoten im Nacken. Sie können sich derb anfühlen und Schmerzen im Nacken verursachen.
2. Nicht mechanisch ausgelöste Schmerzen: Die zweite Gruppe betrifft eine größere Zahl nicht mechanisch ausgelöster Schmerzen. Sie treten bei Erkrankungen des Bewegungssystems auf, etwa einer rheumatoiden Arthritis (Rheuma), bei der Bechterew-Krankheit und ähnlichen Krankheitsbildern (sogenannten seronegativen Spondylarthropathien). Auch entzündiches Muskelrheuma (Polymyalgia rheumatica) ist hier zu nennen. Diese Erkrankung tritt hauptsächlich nach dem 50. Lebensjahr auf und betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer. Neben den Muskelschmerzen im Nacken- oder Schulter- oder Hüftbereich kann es auch zu Entzündungen an den Schultergelenken, an den Verbindungen zwischen Brust- und Schlüsselbein sowie an den Handgelenken und zu dadurch bedingten Schmerzen kommen.
3. Übertragungsschmerzen am Nacken: Diese Art von Schmerzen spielen offenbar eine Rolle, wenn akute Rücken- oder Nackenschmerzen chronisch werden. Das beginnt unter anderem an sogenannten Triggerpunkten in verspannten und verhärteten Muskeln. In der Nähe liegen Schmerzempfänger (Nozizeptoren), die gewissermaßen auf Dauerbetrieb geschaltet sind und zur Fortleitung des Schmerzes beitragen.
Von Übertragungs-Schmerzen ist allerdings auch die Rede, wenn zum Beispiel bei krankhaften Vorgängen in inneren Organen Schmerzen am Rücken, an der Schulter, der Flanke oder im Nacken auftreten.
4. Psychisch bedingte Schmerzen: Schließlich gibt es noch bedeutsame psychische Ursachen oder Teilursachen von Nackenschmerzen im Rahmen komplexerer Entstehungsbedingungen. Hier ordnen Ärzte Krankheitsbilder wie zum Beispiel die Fibromyalgie ein.
Fast zwei Drittel der Bevölkerung hat im mittleren Lebensalter erstmals nennenswert mit Nackenschmerzen zu tun, viele sogar mehrmals.
Dabei kommt es oft auch zu einem mehr oder weniger steifen Nacken. Funktionsstörungen, Verschleiß und Verletzungen stören die Mechanik am Hals empfindlich. Die Schmerzen sind einseitig und manchmal bis in die Schulter zu spüren. Hauptgründe: verspannte, in der Funktion gestörte Muskeln. Gewohnheitsmäßige Fehlhaltungen begünstigen diese mechanischen Beschwerden. Meist wird auch ein gewisser Verschleiß am „Gestell“ so erstmals spürbar. Der Arzt stellt die Diagnose klinisch, das heißt aufgrund der Krankengeschichte und des körperlichen Untersuchungsbefundes. Die Schmerzen klingen nach einfachen Maßnahmen (siehe Abschnitt „Therapie“) meistens wieder ab.
Mit dem Älterwerden summieren sich Haltungsprobleme, etwa durch jahrelange PC- oder Überkopftätigkeit (Malerarbeit), Muskelverspannungen sowie Verschleiß an Bandscheiben (Chondrosen) und Wirbeln (Spondylosen). Auf den einzelnen Etagen der Halswirbelsäule kann es zu Blockierungen der kleinen Gelenke zwischen den Wirbeln, den Facettengelenken, kommen. Gerade nach Ruhephasen tritt dann häufig ein Steifigkeitsgefühl im Nacken auf. Die Facettengelenke können sich entzünden und Nackenschmerzen verursachen, die in Schulter und Arm ausstrahlen. Der Arzt nennt das „pseudoradikulär“. Dies bedeutet, dass die Beschwerden nicht von Nervenwurzeln am Rückenmark ausgehen (vgl. unten, „radikulär“). Dennoch können sich auch Gefühlsstörungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle einstellen. Die Beschwerden neigen dazu, immer wieder aufzuflammen. Dann und wenn sie länger als drei Monate bestehen bleiben, werden sie als chronisch eingestuft. Das ist immerhin bei etwa zehn Prozent der Betroffenen der Fall.
Der Verschleiß kann hauptsächlich drei weitere Probleme nach sich ziehen:
- Ein akutes oder chronisches Nacken-Arm- oder Schulter-Arm-Syndrom (auch Halswirbelsäulensyndrom, zervikobrachiales Syndrom oder zervikales Wurzelsyndrom genannt). Es verursacht einen „Nackenschuss“ (Zervikalgie oder Zervikobrachialgie), den „Hexenschuss am Hals“. Dieser kann relativ schnell wieder vergehen, manchmal aber auch längere Zeit ein unangenehmer Begleiter sein (siehe nächster Abschnitt).
- Das Hals-Kopf-Syndrom (zervikozephales Syndrom). Dabei verursachen komplexe Veränderungen an der Halswirbelsäule Nackenschmerzen bis in den Hinterkopf, Durchblutungsstörungen im Kopf bzw. sogenannte vegetativen Symptome. Diese können sich beispielsweise als Schwindel, Ohrensausen oder Augenflimmern äußern.
- Das seltene Halsmark-Syndrom (zervikomedulläres Syndrom). Es geht mit unterschiedlich ausgeprägten Schädigungen bis hin zu Quetschungen des Rückenmarks im Halsbereich (Halsmark) einher. Zustande kommt es entweder dadurch, dass Bandscheibengewebe sich in der Mittellinie zum Wirbelkanal hin etwas vorwölbt (Protrusion) oder vorfällt (Prolaps) und das Halsmark bedrängt. Oder wenn Knochensporne an den Wirbeln den Kanal in Richtung Halsmark immer mehr einengen (Fachbegriff: Spinalkanalstenose). Es sind auch kombinierte Mechanismen möglich: „weich“ durch Bandscheibengewebe oder verdickte Bänder an der Wirbelsäule plus „hart“ durch Knochenmaterial. Je nachdem, was vorliegt, sind ganz verschiedene Symptome die Folge. Eine Quetschung führt zur mehr oder minder ausgeprägten Querschnittlähmung an Armen und Beinen. Sie ist ein Notfall und muss innerhalb weniger Stunden operativ behoben werden. Langsamer sich entwickelnde Schäden können zunächst Gefühls- und Bewegungsstörungen der Hände (Greifen, Schreiben, Feinbewegungen) verursachen, nach und nach aber zu größeren neurologischen Problemen werden.
Die häufigste der drei Konstellationen ist sicherlich das zervikobrachiale Syndrom im Nacken-Arm- beziehungsweise Schulter-Arm-Bereich.
Falls auch es durch verlagertes Bandscheibengewebe entsteht, liegt dieses seitlich und bedrängt die Nervenwurzeln (siehe unten). Bandscheibenvorfälle sind jedoch an der Halswirbelsäule seltener als an der Lendenwirbelsäule. Häufiger engen knöcherne Veränderungen der Wirbelsäule den Wirbelkanal seitlich ein. „Weich plus hart“ (vergleiche Halsmark-Syndrom weiter oben im Text) ist ebenfalls möglich. Im Gegensatz zur „unsystematischen“ Schmerzausstrahlung durch Muskelverspannungen liegen beim Nacken-Arm Syndrom jedoch „systematische“ Beschwerden vor. Der Arzt nennt sie segmental und kann sie teilweise schon bei der neurologischen Untersuchung erkennen. Die Symptom-Muster entstehen durch eingeklemmte Wurzeln von Armnerven (= „radikulär“). Die Nervenwurzeln treten seitlich im Wirbelkanal aus dem Rückenmark aus. Am Hals bilden sie die Reihe C 5 bis C 8. C steht für cervikal (bzw. zervikal) und bezieht sich auf die entsprechenden Etagen oder Segmente des Halsmarks. Jeder dieser C-Nerven ist einem bestimmten Bereich an Schulter / Arm / Hand für Muskeln (Motorik) und Gefühlsempfindungen (Sensibilität) zuständig.
Symptome: Neben heftigen Nackenschmerzen mit erheblicher Muskelverspannung und einer dem Schmerz versuchsweise ausweichenden Vor- und Seitneigung des Kopfes (sozusagen ein „Schiefhals“) sind auch Schmerzausstrahlungen, Muskelschwäche, Gefühlsstörungen und Kribbeln am Arm typisch. Von der Schulter bis zu den Fingerspitzen kann jede „Etage“ (siehe unten) betroffen sein. Die Beschwerden können zeitweise wieder vergehen und dann erneut, eventuell auch verstärkt auftreten. Manchmal stellen sie sich nach besonders intensiven Arbeitsphasen am Computer ein, nach ungewohnter Überkopfarbeit oder sonstigen übermäßigen – auch plötzlichen – Belastungen der Halswirbelsäule.
Die Ausweichhaltung des Kopfes, der vorübergehende „Schiefhals“, erklärt sich dadurch, dass die Schmerzen positionsabhängig sind. Fast jede Schlafposition kann nächtliche Schmerzen, dazu auch Ameisenlaufen und Taubheitsgefühl am Arm oder in der Hand hervorrufen. Schmerzen in der Nacht und eine Muskelschwäche im Schulter-Arm-Bereich sind jedoch auch bei Reizzuständen und Entzündungen in der Umgebung des Schultergelenks möglich (insbesondere, wenn man auf der entsprechenden Seite liegt), und kurzfristige Taubheitsgefühle, die bald wieder abklingen, überwiegend eine Frage der Haltung im Schlaf.
Beim Hexenschuss (radikulärer Kreuzschmerz) sind die Verhältnisse ähnlich, nur dass es hier um Nervenwurzeln weiter unten im Wirbelkanal geht und Bandscheibenvorfälle auf dieser Etage weitaus häufiger vorkommen. Trotz der strukturellen Unterschiede zwischen Hals- und Lendenwirbelsäule haben die jeweiligen Schmerzbilder viel gemeinsam, vor allem hinsichtlich der Ursachen und der Art der Schmerzen.
Schleudertrauma
Wegen des großen Bewegungsspielraums der Halswirbelsäule spielen hier Beschleunigungsverletzungen eine große Rolle.
Ein Beispiel dafür ist das Schleudertrauma. Es entspricht einer Zerrung der Halswirbelsäule bzw. deren Muskulatur. Die indirekt einwirkenden Kräfte, die den Kopf erst nach hinten und dann nach vorne werfen, sind zum Beispiel typisch für Auffahrunfälle.
Symptome: Stunden oder Tage nach dem Ereignis entwickeln sich akute Nackenschmerzen, eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule (steifer Hals), Kopf- und Nackenschmerzen.
Falls keine weiteren Verletzungen vorliegen, sind die Beschwerden für den Arzt jedoch selten objektivierbar. Etwa ein Fünftel der Betroffenen hat nach einem nach einem Jahr immer noch Probleme mit dem Hals, meistens wegen Muskelverspannungen. Verschleiß kann, muss aber nicht – als Verletzungsfolge – früher einsetzen oder sich verstärken. Umgekehrt können Verletzungen vorbestehende Verschleißprobleme verschärfen, sodass es beispielsweise in der Folge zu einem Nacken-Arm- oder anderen Hals-Syndromen kommt. Oft ist es unmöglich, Ursache und Wirkung voneinander zu trennen.
Schiefhals (Torticollis)
Der „akute Schiefhals“ (Torticollis oder zervikale Dystonie) ist eine Sonderform der Muskelverspannung am Nacken und betrifft überwiegend junge oder sehr junge Altersgruppen.
Das Problem ist durch frühe Bandscheibenschäden bedingt, die auf eine ansonsten junge, „gelenkige“ Halswirbelsäule treffen und letztlich zu einer starken Reaktion mit extremer Muskelverspannung führen. Auslöser kann eine stärkere Drehung des Kopfes sein. Daneben kommen verschiedene Erkrankungen im Halsbereich (Halswirbelsäule, Halsweichteile) oder Krankheiten des Gehirns infrage. Manchmal findet sich allerdings keine Ursache.
Symptom: Wie der Name schon sagt, ist der Kopf zur Seite gedreht und schief; er verharrt komplett in dieser Stellung; die Schulter-Nacken-Muskulatur ist auf einer Seite deutlich bis bretthart verspannt.
Zeichnet sich bei einem akuten Schiefhals nach drei Tagen keine Besserung ab, sollte dringend ein Neurologe oder Orthopäde hinzugezogen werden.
Der Begriff des „Schiefhalses“ wird außerdem im Zusammenhang mit einer angeborenen Fehlhaltung oder aber Fehlbildung der Halswirbelsäule (Klippel-Feil-Syndrom) verwendet.
Hier kommen zahllose Ursachen infrage, die das Bewegungssystem (mit)betreffen. Dabei geht es um Erkrankungen innerer Organe, des Skelettsystems, Infektionen und vieles mehr.
Die entsprechenden Krankheitsbilder reichen von Rheuma oder Knochenkrankheiten wie der Osteoporose (Knochenschwund), der Paget-Erkrankung (sogenannte Osteosklerose), stoffwechselbedingten Erkrankungen des Skeletts und Muskelkrankheiten über bakterielle Entzündungen der Bandscheiben oder Wirbel bis zu bösartigen Veränderungen. In der Regel reihen sich die Nackenschmerzen dann bei anderen wichtigen Symptomen ein, etwa deutlichen Schmerzen am Rücken, Fieber, ungewolltem Gewichtsverlust, Beschwerden an anderen Gelenken, spontanen Brüchen, sichtbaren Veränderungen wie Skelettverformungen, Schwellungen, Muskelschmerzen. Teilweise können die dabei auftretenden Schmerzen auch eine mechanische Komponente haben.
Übertragungs- oder fortgeleitete Schmerzen entstehen nicht dort, wo sie empfunden werden, sondern an anderer Stelle im Körper.
Das noch nicht genau erforschte Phänomen spielt offenbar zusammen mit anderen Faktoren eine Rolle, wenn zum Beispiel akute Rücken- oder Nackenschmerzen chronisch werden. In verspannten und verkürzten Muskeln bilden sich sogenannte Triggerpunkte. Sie senden Signale an nahe gelegene Schmerzempfänger (Nozizeptoren). Diese können auf verschiedenste Reize reagieren, auch solche, die von der Haut oder dem Bindegewebe ausgehen. Bleiben die Schmerzempfänger durch anhaltende Reize, etwa verspannte und verhärtete Muskeln, ständig „auf Sendung“, bleibt auch der Schmerz aktiv. Schmerzsignale können dann auch auf entfernte Schmerzempfänger überspringen oder sogar das zentrale Nervensystem erreichen, dadurch einen größeren Kreis ziehen und sich festsetzen.
Ein Übertragungs-Schmerz stammt manchmal auch aus erkrankten inneren Organen. Es wird in diesem Zusammenhang auch von fortgeleiteten oder ausstrahlenden Schmerzen gesprochen. So treten beispielsweise bei einem Herzinfarkt nicht selten Schmerzen zwischen den Schulterblättern bis nach oben zum Nacken auf. Natürlich kommt es in diesem Fall meist zu weiteren Symptomen wie Schmerzen in der Brust (Leitsymptom!), Blässe, Unruhe, Schweißausbruch, Übelkeit, Kreislaufschwäche, eventuell auch Schock. Manchmal wirkt der oder die Betroffene aber kaum beeinträchtigt. Dann können die Rücken- und Nackenschmerzen auf eine falsche Spur führen. Ein Hinweis in die richtige Richtung kann beispielsweise sein, dass solche Schmerzfortleitungen nicht von Bewegungen der Wirbelsäule abhängig sind.
Nacken-, Rücken- und Kreuzschmerzen wurzeln auch oft in der Psyche, oder die Psyche greift irgendwann in das Schmerzgeschehen ein.
Dann können sich die Schmerzen verändern, manchmal auch im Körper bzw. „Kopf“ festsetzen. Dass seelische Vorgänge maßgeblich mit darüber entscheiden, ob ein Rücken- oder Nackenschmerz überwunden oder chronisch wird, ist seit langem bekannt und anerkannt. Das soll nicht heißen, dass dem immer bewusste Gedanken und Reaktionen zugrunde liegen. Bei psychischen Erkrankungen nämlich, etwa bei Depressionen, können Schmerzen am Bewegungsapparat sogar das einzige Symptom sein, während die psychischen Störungen selbst kaum wahrgenommen werden. Auch bei der Fibromyalgie, einem Krankheitsbild mit wechselhaften chronischen Muskel- und Gliederschmerzen und verschiedenen anderen körperlichen wie auch psychischen Symptomen, gibt es komplexe Interaktionen zwischen Körper und Seele. Ein Merkmal der Erkrankung sind typische Schmerzpunkte (sogenannte tender points, siehe Abschnitt „Diagnose“; sie haben nichts mit den zuvor genannten Trigger-Punkten zu tun). Diese liegen unter anderem zwischen dem oberen Nacken und Hinterkopf.
Sodann gibt es beispielsweise psychisch bedingte oder mitverursachte (psychogene) Weichgewebeschmerzen. Es sind „subjektiv überhöht erlebte“ Schmerzen im Bereich von Sehnen, Muskeln, Nerven (Neuralgien) und Bindegewebe. Krankhafte Veränderungen des Bewegungssystems sind oft vorhanden, erklären aber nicht unbedingt das Ausmaß der emotional aktivierten Beschwerden. Psychosoziale Faktoren spielen oft eine wichtige Rolle.
Grundsätzlich zuständig ist zunächst einmal der Hausarzt oder Orthopäde. Wenn nötig, werden Ärzte anderer Fachrichtungen hinzugezogen.
Unkomplizierte Nackenschmerzen mit vorwiegender Muskelverspannung diagnostiziert der Arzt klinisch. Das heißt, dass ihm das Beschwerdebild, die Krankengeschichte und der körperliche Befund bei fehlenden weiteren Symptomen vorerst als Informationen genügen, um den Betroffenen zu beraten. Bei der körperlichen Untersuchung stehen der Körperbau, die Beweglichkeit des Kopfes, Halses, der Schultern, Arme und der übrigen Gelenke im Mittelpunkt. Der Arzt beurteilt die Muskelkraft, die Muskelreflexe, die Berührungsempfindlichkeit. Er prüft außerdem, ob die Wirbelsäule beim Beklopfen irgendwo schmerzt oder ob sich spezielle, schmerzauslösende Körperstellen finden lassen (siehe unten, tender points).
Bei Auffälligkeiten oder Komplikationen und je nach Ausprägung der dann vorhandenen Symptome werden mehr oder weniger dringlich weitere Diagnoseschritte notwendig sein.
Dies gilt vor allem bei:
Die weitere Diagnostik umfasst dann bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, eine Computertomografie oder Magnetresonztomografie zur Darstellung der (Hals-)Wirbelsäule, gegebenenfalls auch des Halses oder Kopfes, Blutuntersuchungen, kardiologische Verfahren, darunter eine Elektrokardiografie (EKG), Untersuchungen beim Neurologen. Zuständig für die Diagnose und Therapie kann letztendlich auch ein Psychiater sein oder aber ein Onkologe, also ein Krebsspezialist. Geht es um eine Operation an der Wirbelsäule, fällt diese Aufgabe, abhängig von der individuellen Situation, einem Neurochirurg, orthopädischen Chirurg oder Unfallchirurg zu.
Bei der Fibromyalgie gibt es die Besonderheit der tender points, 18 definierte „Druck-Stellen“ an Schnittpunkten von Sehnen und Knochen oder an Muskeln. Signalisieren elf davon beim druckvollen Betasten Schmerzen, so kann dies ein Hinweis auf die Diagnose sein. Da objektivierbare Zeichen insgesamt fehlen, ist die Diagnose Fibromyalgie nicht einfach zu stellen und bedarf des Experten. Das zuständige Fachgebiet wäre hier zum Beispiel die Psychosomatische Medizin. Angesichts der Symptomenvielfalt ist aber zunächst meist der Facharzt für Innere Medizin (Internist) gefragt, um andere Krankheiten auszuschließen. Dies gilt ebenso für die psychisch bedingten oder mitverusachten Weichgewebeschmerzen.
Die Behandung richtet sich nach der Diagnose, ein Grundsatz, der auch für Nackenschmerzen gilt.
Verspannungsbedingte Nackenschmerzen klingen meist von alleine nach wenigen Tagen bis Wochen wieder ab. Ein kurze Zeit eingenommenes einfaches Schmerzmittel wie zum Beispiel Paracetamol oder Auflegen von Kälte- oder Wärmepackungen können die Genesung beschleunigen. Entzündungshemmende Arzneimittel setzt der Arzt ein, wenn er eine entzündliche Komponente der Beschwerden feststellt.
Eventuell verordnet er physikalische Anwendungen wie Strom- oder Ultraschallbehandlungen. Sie fördern die Durchblutung und Stoffwechselprozesse im Gewebe, können entkrampfend wirken und zur Schmerzlinderung beitragen.
Von Halskrawatten, etwa nach einem Schleudertrauma, ist man weitgehend abgekommen, da stillgelegte Muskeln nur weiter geschwächt werden.
Besser schneidet im Allgemeinen Krankengymnastik ab. Dabei wird die Wirbelsäule als Ganzes angegangen, und die Schwachpunkte werden sanft, aber gezielt gestärkt. Am Hals sind das die tragenden und bewegenden Funktionen. Verspannte Muskeln sind verkürzt und müssen daher gedehnt werden. Dann sind sie bald auch wieder beweglicher. Man kann außerdem lernen, die Haltung zu optimieren. Massagen lockern verspannte Muskeln im Nacken, am Schultergürtel und Rücken. Chirotherapie oder „Manuelle Medizin“ wird im Halsbereich äußerst zurückhaltend eingesetzt. Vorher müssen auf jeden Fall kritische Veränderungen an der Wirbelsäule ausgeschlossen werden. Man sollte also immer nur den kundigen Arzt oder den Physiotherapeuten nach ärztlicher Verordnung an den Hals heranlassen. Ein sinnvolles Anwendungsgebiet für sogenannte „Traktions- oder Zugbehandlungen“ ist der akute Schiefhals (Torticollis) bei Kindern und jungen Leuten.
Die Möglichkeiten der physikalischen Therapie und Übungsbehandlung sind insgesamt so viefältig, dass eigentlich für jeden etwas Passendes dabei ist – selbst bei nicht zu großen Bandscheibenvorfällen.
Zudem gibt es Therapieverfahren wie Akupunktur, TENS, Biofeedback oder Entspannungstraining. Bei TENS beispielsweise wird die Haut über den schmerzenden Bereichen mit elektrischen Impulsen gereizt. Dadurch soll die Schmerzschwelle steigen und die Schmerzaktivität sinken. Biofeedback ermöglicht es, den Spannungszustand von Muskeln und die Hauttemperatur zu messen und die Daten zur Erfolgskontrolle beim bewussten Entspannen einzusetzen. Entspannte Muskeln werden besser durchbutet, was Schmerzen lindern hilft.
Bevor – außerhalb von Notfällen – ein operativer Eingriff am Hals erwogen wird, stehen dem Arzt weniger belastende Eingriffsmöglichkeiten wie verschiedene Schmerz- und Gelenkblockaden zur Verfügung. Manchmal ist aber eine Operation tatsächlich der bessere Weg.
Weitere ausführliche Informationen zu Ursachen, Diagnostik und Therapie von Nackenschmerzen finden Sie im Beitrag Rückenschmerzen.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth ist Facharzt für Orthopädie
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Was kann die Halswirbel blockieren und einen steifen Hals verursachen?
Blockierungen der Halswirbelsäule haben sehr viele Ursachen. Akut können sie zum Beispiel nach einem Beschleunigungstrauma (früher auch als Schleudertrauma nach einem Auffahrunfall bezeichnet) oder aber nach längerer Fehlbelastung sowie nach „Zugluft“ auftreten. Ursache für chronische Blockierungen sind Fehlhaltungen oder Fehlstellungen der Wirbelsäule (etwa durch eine bestehende Skoliose oder beruflich wie auch sportlich bedingt) und Verschleißerkrankungen. Vor allem akute Blockierungen können durch Wärme und manuelle Therapie (Wiederherstellen der normalen Bewegungsausmaße von Gelenken) gelöst werden. Eine Alternative ist das Einspritzen örtlich wirkender Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) in die schmerzenden Muskeln rund um die Halswirbelsäule. Auch neurologische Erkrankungen, Probleme im Hals-Nasen-Ohren-Bereich sowie innere Krankheiten können Ursachen von Blockierungen sein. Danach ist zu suchen, wenn die übliche Behandlung keinerlei Erfolg bringt.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Wenn gelegentliche Schwindelanfälle auftreten oder die Schulter schmerzt und die Finger kribbeln, kann durchaus die Halswirbelsäule dafür verantwortlich sein (siehe oben im Text). Ursache ist ein sogenannter Engpass, der die Nerven „malträtiert“. Allerdings können auch eingeengte Durchgänge zwischen Muskeln (Muskellücken neben der Halswirbelsäule, in denen die Nerven verlaufen), solche Beschwerden hervorrufen. Die klinische Untersuchung zeigt, ob Blockierungen im Bereich der Halswirbelsäule vorhanden sind. Schmerzhafte Druckpunkte im Verlauf der Nerven können auf Engpässe hinweisen. Das Röntgenbild der Halswirbelsäule macht knöcherne Einengungen in diesem Bereich sichtbar. Noch genauer kann das mit einer MRT (Magnetresonanztomografie) oder einer CT (Computertomografie) abgeklärt werden. Wenn das Kribbeln oder die Taubheitsgefühle bereits mehrere Tage anhalten, sollte das unbedingt von einem Neurologen untersucht werden, öfter auftretender Schwindel durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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Gute Mittel zur Behandlung des Halswirbelsäulen- oder Zervikalsyndroms (siehe vorhergehende Frage) sind Massagen und Chirotherapie. Dadurch können die Muskeln gelockert und Blockierungen der Halswirbelsäule gelöst werden. Risiken bestehen nur bei einem Bandscheibenvorfall, der sich jedoch mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder einer Computertomografie (CT) vorher ausschließen lässt.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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Weshalb ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule auftritt, ist nicht bekannt. Es gibt auch keine bekannten sicheren Methoden, diese Erkrankung zu vermeiden.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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Nach einer Bandscheibenoperation ohne Bandscheibenersatz oder Versteifung ist es nicht unbedingt nötig, eine Halskrawatte zu tragen. Ein spezielles Training zur Stabilisierung wird nicht empfohlen. Allgemein wird eine stabilisierende Krankengymnastik durchgeführt, bei der die Halsmuskulatur trainiert wird. Das ist immer noch der beste Schutz für die Wirbelsäule.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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www.apotheken-umschau.de;
05.06.2009, aktualisiert am 29.03.2012
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